Donnerstag, 17. August 2017

#48 When Disney got me.

Walt Disney. Well, nearly everytime when a discussion about the Disney movies comes up, it ends kinda like "Yep, that's why our generation is so fucked up. All the girls think to be a princess and that all the men have to be that prince on that white horse. And then you have to be that 'happily ever after' thing, which doesn't exist at all." And it's kinda true. I don't know how long I thought that everything has to be perfect and if it's not, you might have to find another man because you found the "wrong one". It wasn't only Disney who taught me that, but these movies had a lot of impact. So it's quite interesting to watch them again now - after years of new experiences, from a new point of view. And it's even more interesting, that Disney still gets me - even if not in the way, it might have been intended to be.

I've been watching "The Beauty and the Beast" today. Some of you might remember the legendary dancing scene - tales as old as time. So after that beautiful dance, Belle and the Beast step out on the balcony. And there is this dialogue, that totally got me.

Beast: "It's foolish, I suppose ... for a creature like me to hope ... that one day he might earn your affection."
Belle: "I don't know."
Beast: "Really? You think you could be happy here?"
Belle: "Can anybody be happy if they aren't free?"

A few months ago I sat in a cinema seat, next to a man I loved. And while listening to these words I started crying. I loved him and I wanted to be happy with him, but I knew that in this relationship I wasn't free. I couldn't be me. And if I would have done things "my way", I would have hurt him badly. Too hard for this relationship to survive.
Realizing that sometimes love is not enough sucks. But it's always a chance, too. Because I found out what I really need to be a happy woman. I evolved. And this brings me back to now.

I wrote about my open relationship and about my jealousy-problems. I mentioned that my partner wants - and needs - his freedom as well. And sometimes he seems to be merciless by making decisions and steps, which are hard for me. But I know. I know how it feels to NEED freedom. I know that feeling, like laying in chains, like trying to breathe but you can't. When all you want is to break free. To be who you want to be.

So be that person, Darling. Live. And love. And be free. And so do I.


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Ich übersetze das mal frei für alle, deren Englisch nicht so dolle ist ;)

Walt Disney. Ungefähr jedes Mal, wenn über Disneyfilme diskutiert wird, endet die Diskussion bei sowas wie "Yep, und das ist der Grund, warum unsere Generation so abgefucked ist. Die Mädels denken alle, sie seien Prinzessinnen und die Männer müssten dann entsprechend der Prinz auf dem weißen Pferd sein. Und dann muss man unbedingt dieses 'Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende'-Ding haben, das es gar nicht gibt." Und irgendwie stimmt das auch. Ich weiß gar nicht wie lange ich dachte, dass alles perfekt sein muss und dass es, falls es das nicht ist, einfach am falschen Mann liegt und man nur "den Richtigen" finden muss. Das habe ich bestimmt nicht nur von Disney gelernt, aber die Filme hatten schon einen gewissen Einfluss. Und daher ist es schon spannend, die Filme heute nochmal zu sehen - nach Jahren voller neuer Erfahrungen und von einem neuen Standpunkt aus. Und es ist eigentlich noch spannender, dass Disney mich auch heute noch berührt - wenn vielleicht auch nicht auf die ursprünglich bezweckte Art und Weise.

Ich habe mir heute "Die Schöne und das Biest" angesehen. Manche von euch mögen sich vielleicht noch an die legendäre Tanzszene erinnern - Märchen schreibt die Zeit. Nach diesem wunderschönen Tanz treten Belle und das Biest auf den Balkon hinaus. Und dort entsteht dieser Dialog, der mich absolut berührt hat.


Biest: "Es ist töricht, nehme ich an, wenn eine Kreatur wie ich hofft, sie könnte eines Tages deine Zuneigung gewinnen."
Belle: "Ich weiß nicht."
Biest: "Wirklich? Könntest du hier glücklich werden?"
Belle: "Kann man glücklich sein, wenn man nicht frei ist?"


Vor ein paar Monaten saß ich in einem Kinositz neben einem Mann, den ich liebte. Und während ich diesen Worten lauschte, begann ich zu weinen. Ich liebte ihn und ich wollte glücklich mit ihm sein, aber ich wusste, dass ich in dieser Beziehung nicht frei sein kann. Ich konnte nicht ich sein. Und wenn ich meinen Weg einfach gegangen wäre, dann hätte ich ihn verletzt. Zu sehr, als dass diese Beziehung das überlebt hätte.
Festzustellen, dass Liebe nicht ausreicht, suckt. Aber es ist auch immer eine Chance. Denn ich fand heraus was ich wirklich brauche, um eine glückliche Frau zu sein. Ich habe mich entwickelt. Und das bringt mich zurück zu heute.

Ich schrieb bereits über meine offene Beziehung und über meine Probleme mit der Eifersucht. Ich habe auch erwähnt, dass mein Partner ebenso seine Freiheit möchte - und braucht. Und manchmal mag er gnadenlos wirken, wenn er Entscheidungen trifft und Schritte macht, die hart für mich sind. Aber ich weiß es. Ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man seine Freiheit BRAUCHT. Ich kenne das Gefühl, als würde man in Ketten liegen, als würde man versuchen zu atmen, aber keine Luft kriegen. Wenn man nur noch ausbrechen will. Derjenige sein, der man sein will.

Also sei dieser Mensch, Darling. Lebe. Und liebe. Und sei frei. Wie ich.

Mittwoch, 26. Juli 2017

#47 Die Antwort.

Fast drei Jahre ist es her, dass ich zwei meiner Einträge dem Thema "Liebe" und der Frage danach, ob es sie gibt und was sie ausmacht gewidmet habe. Ich habe stark gezweifelt damals, bin wirklich hart ins Gericht gegangen mit diesem Gefühl und Beziehungen/Partnerschaften im Allgemeinen.
Es ist viel passiert seitdem. Ich habe alle möglichen Gefühle und Emotionen durchlebt und vor allem habe ich mich auch in ganz großem Rahmen der Frage gewidmet, was ich eigentlich für mich will und brauche, wie meine Basis aussieht, was essentiell ist. Fertig bin ich damit nicht, aber ich habe sehr nützliche Antworten gefunden.

Ich weiß jetzt, dass alles bei mir selbst anfängt. Wie will ich einem anderen Menschen irgendwas geben, wenn ich selbst nichts habe? Wenn ich nichts für mich übrig habe? Ich hatte das damals schon vermutet, dass dies die Grundlage ist, aber mittlerweile habe ich es erfahren, erlebt. Wenn ich nicht bei mir bin, wenn ich mich von mir entferne, dann hat alles andere keine Chance. Also geht es immer darum, sich selbst Wertschätzung, Respekt, Mitgefühl und auch Liebe entgegen zu bringen. Was wirklich nicht immer leicht ist. Ich habe immer noch genügend Tage, an denen ich unsagbar hart mit mir selbst ins Gericht gehe. Das sind dann auch die Tage, an denen mein Partner wenig von mir bekommt, sondern meist draufgeben oder zumindest aushalten muss.

Und dann gibt es noch die anderen Tage. Tage wie heute. Die auf Tage wie gestern folgen.
Ich habe hart gekämpft mit mir gestern. Ich war fies, brutal, gnadenlos. Ich habe wieder gemauert, mich ein- und alle anderen ausgesperrt und alles abgeblockt, was auch nur irgendeine Gefühlsregung hätte hervorbringen können. Bis ich mich entschied, meinem Problem, meinem Schmerz, meiner Angst ins Auge zu blicken. Ich habe Fragen gestellt und gespürt, dass die Antworten gleichzeitig gut und weh taten. Und dann habe ich damit gearbeitet.
Gestern Abend habe ich zum ersten Mal seit Wochen gnadenlos ehrlich einem sehr sehr lieben Menschen all das ausgebreitet was mich innerlich manchmal echt zu zerreißen droht, bis ins Detail. Ich habe Scham- und Schuldgefühle überwunden und einfach alles rausgelassen, viele viele Tränen geweint und mich danach gleichzeitig zutiefst verletzlich und dennoch sicher gefühlt.
Heute Morgen überkam mich der Sturm noch ein letztes Mal, dann kehrte Ruhe ein. Und sie kam in dem Moment, in dem ich feststellte, dass es meinem Partner, der in den letzten Tagen wirklich einige Breitseiten von mir mitnehmen musste, besser ging. Ich las es zwischen seinen Zeilen. Ich konnte es fühlen. Und noch während ich dachte, dass in mir eigentlich gerade jetzt die Hölle los sein müsste, weil da immer noch so vieles offen ist und weil ich immer noch so unsicher bin, wurde mir klar, dass diese Ruhe, die mich gerade erfüllt, besonders ist. Dass das, was hier gerade passiert, das ist, was andere Menschen "Liebe" nennen.

Wenn man den Hintergrund meines Kampfes nicht kennt, klingt das vermutlich etwas verwirrend. Also will ich versuchen, meine für mich neu gewonnene Definition von Liebe in klare Worte zu fassen.

Liebe ist mehr als Verlangen und kurzzeitige Verbindung. Liebe ist das, was dich auch Stunden, Tage oder Wochen später noch erfüllt.
Liebe ist es dann, wenn du nicht forderst und verlangst, sondern wenn du sanft bittest.
Liebe ist es, wenn du auch mit einem Nein leben kannst, weil du weißt, dass der Andere für sich Prioritäten setzen muss.
Liebe ist es, wenn du dich erleichtert fühlst weil der Andere erleichtert ist.
Liebe ist es, wenn du für euch kämpfst ohne dich dabei selbst aufzugeben.
Liebe ist es, wenn du nicht musst, sondern willst. Wenn du nicht fliehst, sondern dich stellst. Wenn du spürst, dass aufgeben zwar leichter, aber einfach nicht sinnvoll wäre.
Liebe ist es dann, wenn dich sowohl das Lachen als auch die Tränen des anderen in gleichem Maße berühren. Wenn du den Menschen dir gegenüber ansiehst und weißt: Ich würde Berge versetzen für dich. Ich würde mit dir durchs Feuer gehen. Ich will die Welt schön machen für dich. Und ich würde mich bei alldem nicht selbst verlieren, sondern finden.
Es geht nicht um Besitzansprüche, nicht darum, den Anderen nach eigenen Wünschen zu formen. Es geht darum, fasziniert zu sein davon, wie der Andere ist. Darum, neugierig zu sein auf alle Facetten, die den Anderen ausmachen. Darum, Erfolge gemeinsam zu feiern und Verluste gemeinsam zu betrauern. Es geht um Verbundenheit, die nicht durch Ketten entsteht.

All das habe ich gefühlt, heute morgen in diesem Moment, in dem die Ruhe einkehrte. All das fühle ich seit Wochen, doch ich habe eine Weile gebraucht, um mir dessen so gewahr zu werden. Und jetzt, da ich es bin, sind meine Ängste und Sorgen zwar nicht weg, doch ich muss lächeln während ich sie betrachte, weil ich weiß, dass ich stärker bin und dass meine Ziele größer sind. Und dass ich auch den nächsten Sturm überstehe.

Dienstag, 25. Juli 2017

#46 Open up.

Ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit von der Monogamie verabschiedet. Dachte ich zumindest. Doch wie mir jetzt klar ist, ist dieser Abschied nicht mit einem kurzen Winken und einem "Danke für die schöne Zeit!" getan.

Dieser Entschluss ändert vieles für mich. Das Gefühl absoluter Freiheit ist der erste Nebeneffekt. Ich umarme dieses Gefühl mit jeder Faser meines Körpers, mit allem was ich bin. Wie ich ja zuletzt schon öfter schrieb, ich war noch nie so sehr ich. Und ich würde das nie wieder missen wollen.

Dann gibt's da noch die andere Seite. Denn offen zu leben betrifft ja nicht nur mich. Genauso gestehe ich auch meinem Partner alle Möglichkeiten zu. Genauso will ich, dass auch er diese Möglichkeit hat, sich so frei zu fühlen wie ich es jetzt endlich kann. Und das geht - offensichtlich - nicht, ohne ein Stück harter Arbeit an mir.
Dass es nicht mal eben easy wird, habe ich mir schon gedacht. Ich bin ein Mensch mit massiven Baustellen, die nicht eben erst entstanden sind. Da sind viele alte Glaubenssätze und Muster, die den Weg ziemlich steinig machen.

Aus der Monogamie brach ich aus mit dem Gefühl, jetzt, in dieser neu gewonnenen Freiheit, alles schaffen zu können. Ich habe tatsächlich geglaubt, dass es mich weniger berührt als ich dachte, wenn der Mann an meiner Seite sich andere Optionen sucht.
Was ich dabei nicht bedacht hatte - große Gefühle und intensive Verbindungen machen nicht alles immer leichter.
Verlustängste, das Gefühl fehlender Kontrolle, die Angst davor vergessen zu werden - all das gewinnt mehr an Macht, wenn man gleichzeitig das Gefühl bekommt, mehr zu verlieren zu haben.
Jetzt bin ich also hier, in dieser großartigen Beziehung mit diesem großartigen Mann. Ich habe noch nichts Vergleichbares erlebt. Ich bin wirklich und ehrlich glücklich.
Und wie das so läuft mit mir und meinen Ängsten - sehr zeitnah stellt sich die Sorge ein, das wieder zu verlieren. Und damit kommt logischerweise auch die Frage auf, wie ich das verhindern kann.
Die Antwort ist simpel und diffizil zugleich. Leben. Sein. Sich den Dingen stellen. Kommunizieren. Offen sein. Den Drang nach Kontrolle überwinden. Vertrauen fassen. Vertrauen haben. Lieben. Vor allem lieben. Mich. Ihn. Uns.

Die Gedanken und Ängste in diesem Zusammenhang haben mich die letzten Wochen Mal wieder getrieben. Ich war nicht wirklich in der Lage, ihm einfach zu sagen was mich umtreibt, weil ich mir und meinen Ansprüchen gerecht werden und ihn gleichzeitig nicht enttäuschen wollte. Stattdessen schwieg ich - oder erzählte nur Fetzen vom großen Ganzen. Und enttäuschte uns damit gleich beide.
Sie ist so tückisch, die Angst. Wie oft hat sie mich schon weggetrieben von dem, worum es wirklich geht? Und dennoch schafft sie es immer wieder.
Doch ich werde besser. Sie treibt mich nicht mehr so weit, ich bin wehrhaft und immer noch stur. So verdammt stur. Und deswegen lasse ich mich am Ende nicht unterkriegen. Weil ich dieses Leben will. Weil ich ich sein will. Weil ich ihn genau so an meiner Seite wissen möchte, wie er ist. Und wenn es dafür Steine aus dem Weg zu räumen gilt, dann tue ich das. Das hier ist nämlich mein Leben. Und auch wenn ich das viel zu oft vergesse: ich entscheide hier. Heute und morgen. Und übermorgen immer noch. Fernab aller Ängste weiß ich nämlich, dass ich mich immer wieder so entscheiden würde. Für die Freiheit.

Sonntag, 16. Juli 2017

#45 Vom Eremiten zum Socializer - Nachwehen.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass ich mein Leben als Eremitin in der Großstadt aufgab, um endlich wieder unter Menschen zu sein. Ich hatte genug von unverbindlichen und oberflächlichen Beziehungen ohne echte Begegnung. Ich wollte wieder zurück ins Geschehen. Und ich bin zurückgekehrt. Nicht nur ein bisschen, sondern ziemlich erfolgreich. So erfolgreich, dass ich mich mittlerweile manchmal wieder etwas zu gut daran erinnern kann, warum ich eigentlich zur Eremitin wurde: Weil zwischenmenschliche Begegnungen wirklich anstrengend sein können. Und im Moment bin ich wirklich ziemlich angestrengt.

Ich liebe es, wie sich mein Leben entwickelt hat. Die ganzen letzten Jahre mit allem, was sie an Erfahrungen und schönen, aber auch traurigen Momenten mit sich gebracht haben, würde ich in keinem Fall missen wollen. Und jetzt gerade habe ich genau das, was ich immer haben wollte: Ich bin frei und zugleich alles andere als allein. Ich habe einen Kreis unglaublich lieber Menschen um mich, die mir viel bedeuten, für die ich viel gebe und die zugleich auch viel für mich geben. Und ich kann so sehr ich sein, wie ich es vermutlich noch nie war. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen.
Gleichzeitig bringt dieses freie und offene Leben, das ich nun führe, auch einiges an Neuem mit sich. Vieles davon schön, einiges aber auch eine wahre Herausforderung.

Ohne arrogant klingen zu wollen - in letzter Zeit erfreut sich meine Person offensichtlich am regen Interesse ziemlich vieler neuer, aber auch alter, lange nicht gesehener Gesichter. Das schmeichelt mir, ganz ohne Zweifel. Aber es ist nicht immer leicht.
Selbst jenen gegenüber, die ich zu meinen Engsten und Vertrautesten zählen, fällt es mir schon nicht leicht, "Nein" zu sagen, Grenzen zu setzen, unangenehme Dinge anzusprechen und meine eigenen Bedürfnisse offen zu kommunizieren und zu betonen. Wie sieht das dann erst bei Menschen aus, die man gerade oder gerade wieder kennenlernt? Egal ob es nun darum geht, ein lang geplantes Treffen abzusagen, jemandem zu sagen, dass man seine Gefühle nicht erwidert oder einer Person klar machen zu müssen, dass man an dem Kontakt mit ihr vielleicht eigentlich gar kein wirkliches Interesse hat - das alles sind Situationen, die mich grundsätzlich schon mal sehr fordern. Und in letzter Zeit häufen sie sich. Das ist dann wohl die unglückliche Nebenwirkung der Offenheit, die ich zumeist an den Tag lege. Und es ist unglaublich anstrengend. Ich will niemandem weh tun, am liebsten hätte ich love, peace and harmony für alle - und im selben Moment muss ich einsehen, dass das einfach nicht geht. Ich kann es nicht jedem Recht machen und ich kann nicht für jeden alles sein, was er/sie sich von mir erhofft. Ich bin eben auch nur ein Mensch.

An den meisten Tagen weiß ich, wie ich mit den Dingen am besten umgehe. Und dann gibt es noch Tage wie heute, an denen mich aus dem Nichts heraus ein Schlag in den Nacken trifft und ich mehrere Stunden brauche, um wirklich zu kapieren, was mich da eigentlich umtreibt. Dann kommen sie wieder auf, diese Momente, in denen ich mir meine selbst gewählte Einsamkeit und die damit einhergehende Befreiung von jeglicher vermeintlicher Verantwortung für das Glück Anderer zurückwünsche. Das Leben in einer Blase hat eben auch Vorteile.
Aber mir ist eben auch klar: In dieser Blase war ich auch nicht glücklich. "Zurück" ist keine Option. Also muss ich wohl stattdessen mein "nach vorne" definieren. Und dazu wird es gehören, klare Worte zu finden und offen zu kommunizieren.
Leicht wird das nicht. Doch im Gegensatz zu damals, bei meiner Rückkehr ins echte Leben, stehe ich jetzt nicht mehr alleine auf weiter Flur. Jetzt gibt es meinen vertrauten Kreis. Die, die mir die liebsten sind. Die, die immer einen guten Rat und herzliche Worte über haben. Die, die mir eben einfach einen Rettungsring zuwerfen, wenn ich gerade mal wieder in einer viel zu großen Welle vor mich hin strample und nach Luft schnappe. Es ist doch einfach schön zu wissen, dass ich so oder so nicht untergehen werde. Und noch schöner ist es, dass die Welle allein schon auf Grund dieses Wissens schrumpft. Ich schwimme dann mal an Land.

Sonntag, 2. Juli 2017

#44 Ich gewinne.

Ich war heute auf einer Hochzeitsfeier. Ich war allein da. Es war schön. Es war bewegend. Und es war anstrengend. Nicht auf Grund der anwesenden Personen, nicht wegen des Programms. Es war anstrengend, weil Hochzeiten mir alles bieten: Meine sehnlichsten Wünsche, meine größten Ängste. Mir wird all das vor Augen geführt, was ich vielleicht doch irgendwann gerne hätte - und sofort im selben Atemzug kommen die Ängste auf. Die Angst davor, all das niemals zu erreichen, weil ich immer auf der Flucht sein werde. Die Angst davor, dass ich irgendwann wieder renne. Davor, dass irgendwann das "rosarot" weg ist und ich meine alten Fehler wiederhole. Und selbst wenn das alles nicht so eintreten sollte ... Dann ist da immer noch die Angst davor, dass ich es vielleicht irgendwann bis zu diesem Tag schaffe, bis zu dem "Ja". Und darüber hinaus. Und dass es dann doch irgendwann einfach schief geht. Weil es keine Garantie gibt. Es wird nie eine geben. Kein Versprechen dieser Welt, kein Ring und kein Ja-Wort können eine Garantie für irgendwas sein. Heute noch kannst du so sehr überzeugt davon sein, dass dein Leben jetzt endlich in der richtigen Bahn ist. Dass du jetzt weißt, wohin du gehörst. Und dann wird es morgen. Und schon kann es vorbei sein. Es kann immer, jederzeit, vorbei sein.
Wie erträgt man das? Wie schafft man es, so viel Hoffnung auf etwas zu haben, wo es doch zugleich so weh tun kann? Ist das die Kunst, es einfach zu wagen? Oder vielleicht einfach so zu tun, als wären die Dinge sicher und gesetzt?

Es sind diese Tage, an denen ich mich vollkommen machtlos fühle. Ich schaue auf mich und auf mein Leben und ich habe keinen Plan. Die Ideen und Wünsche, die ich entwickle, betrachte ich mit Skepsis, weil ich immer noch nicht weiß, welche meiner Wünsche eigentlich echt sind - und welche nur dazu dienen sollen, mich in Sicherheit zu wiegen. Ich frage mich, ob ich das jemals beantworten kann. Und ob ich es überhaupt muss. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es mich endlos müde macht, das alles. Ständige Zweifel an mir. An der Welt. Machtlosigkeit. Lähmung. Und diese tiefe, tiefe Traurigkeit, die mich jedes Mal einholt, weil ich einfach nicht glauben kann, dass es wirklich und wahrhaftig eine Chance darauf gibt, dass ich glücklich sein kann - ohne Angst.
Es sind diese Momente, in denen ich mir wünsche, einfach nur dumm und anspruchslos und damit glücklich zu sein, statt mich und mein Leben mit allen Mitteln zu zerdenken.
Es sind diese Momente, in denen ich so traurig und müde bin, dass ich nicht einmal mehr schreiben kann oder will. Einfach nur noch schlafen.

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Diesen Eintrag schrieb ich mir heute Nacht frei von der Seele. Heute früh wachte ich auf und fühlte mich immer noch kein Stück leichter. Eigentlich sind da oben schon alle essentiellen Ängste aufgeführt und dennoch sind da noch so viele Gedanken, kleine und große, die so viel mit mir machen. Manchmal ruhen sie über Wochen und Monate, dann kommen sie einfach wieder hervor. Ich werde noch eine ganze Weile brauchen, um das zu sortieren. Und auch wenn der Abend und die Nacht und auch der heutige Tag anstrengend waren, so bin ich doch auch diesmal wieder dankbar, denn mittlerweile bin ich nicht einfach nur noch Spielball meiner Emotionen - ich arbeite mit ihnen. Und ich werde besser darin.
So habe ich den oben genannten Text heute schon dem Menschen vorgelesen, dessen Reaktion ich grundsätzlich am meisten wünsche und zugleich am meisten fürchte. Jedes Mal wieder fürchte ich diesen Schritt, jedes Mal wieder weiß ich danach, dass es sich lohnt, sich zu öffnen. Und jedes Mal wieder bin ich dankbar für die viele Geduld und die liebevollen Worte und Taten, die mir zuteil werden.

Vorhin war ich spazieren - endlich mal wieder nach mehreren Tagen miesen Wetters. Nicht, dass ich aus Zucker wäre, aber ich hatte in letzter Zeit eh etwas Probleme, mich dazu aufzuraffen, auch weil ich ja insgesamt doch ziemlich fertig war. Und das schlechte Wetter war dann eben die ausschlaggebende Hemmschwelle.
Jedenfalls - es war gut. Sehr gut sogar. Denn manchmal werden mir erst beim laufen Dinge bewusst, die ja eigentlich obvious waren, aber gerade vor lauter anderen Gedanken in der Versenkung verschwunden sind. Und heute war das Folgendes:
Meine größte Angst ist eigentlich nicht, dass ER geht. Meine größte Angst ist, dass ICH es verbaue. Und warum hab ichs bisher verbaut? Weil ich Angst davor hatte, dass der andere geht. Und die wurde immer dann groß und übermächtig, wenn ich eigentlich schon längst wusste, dass da Dinge sind, die gerade einfach nicht kompatibel sind. Ich kämpfe dann mit mir, manchmal Tage, Wochen oder Monate. Ich versuche alles mögliche. Und dann stelle ich am Ende fest, dass es nicht geht - was ich eigentlich schon viel früher ganz tief in mir wusste. Also hab ichs eigentlich nicht mal verbaut - es passte eben nicht. Und zwar immer aus dem Grund, dass ich eine bestimmte Einschränkung oder Verpflichtung für mich nicht in Kauf nehmen konnte (zumindest seit ich in solchen Situationen rational agieren kann - alles davor war gefühlt pur emotional und ist damit nicht mehr heranzuziehen).
Dass man diesen Punkt erreicht, an dem es nicht (mehr) passt, das kann immer passieren. Davor ist niemand gefeit. Aber die Grundvoraussetzungen, die sind immer ganz unterschiedlich. Und die waren noch nie so gut wie jetzt. Ich kann ich sein. In jeder Hinsicht. Es gibt keinen Grund, wegzurennen oder mich zu verstecken. Ich habe schon so viele meiner Gedanken einfach auf den Tisch geworfen, obwohl ich mich selbst dafür in Grund und Boden geschämt habe. Ich habe mich jedes Mal entschieden, mich dem zu stellen. Und gewonnen. Und genau da ist er wieder, dieser Punkt, an dem mich auf einmal diese Erkenntnis durchflutet, dass ich es eben doch in der Hand habe. Jeden Tag aufs Neue. Immer und immer wieder entscheide ICH über das was ich tue. Und gewinne.

Sonntag, 18. Juni 2017

#43 Wenn wir uns begegnen.

Wir bewegen uns wie Naturgewalten.
Ich die Feuersbrunst, die alles verschlingt. Die den Landstrich verödet hinter sich lässt,
suchend nach dem, der sie bezwingt.
Du der Wirbelsturm, der alles mit sich reißt, nie stillsteht, stets in Bewegung bleibt, bis dich irgendwann jemand zum stoppen bringt.
Wer kann uns bezwingen, wer kann uns stoppen und wer kann uns halten?

So ziehen wir Kreise und Bahnen und jeder lässt sich irgendwie treiben,
Felder gehen in Flammen auf und ganze Landstriche zerstieben zu Staub,
und warum sollte man auch stehen bleiben?
Warum verweilen wo einfach nichts ist? Nichts, außer Asche und Scherben.
Warum zusehen welche Schneisen man schlägt, welche Leben man auslöscht,
welche Bürde man trägt? Da ist nichts, nur endloses Sterben.

Was dann folgt, haben wir nicht kommen sehen.
Es ist Spannung, die in den Lüften liegt.
Ich kann das Kribbeln spüren, diese Anziehungskraft, die Unvorhergesehenes schafft.
Aus dem Nichts entsteht da dieses Feld, wie zwischen zwei Magneten
das uns verbindet, das jeden von uns hält,
das uns plötzlich zueinander zieht.
Und dann gibt's nur noch einen Weg zu gehen.

Gezogen von unsichtbaren Fäden und schneller als Schall und Licht,
bewegten wir uns an den einen Ort, hielten inne und verharrten.
Nur eine Hand breit, die uns trennt,
während Funken sprühen und die Luft um uns brennt,
viel zu lange mussten wir warten.
Und doch genießen wir den Moment.


Als du dich rührst, kann auch ich mich nicht halten
und was nun folgt, das ward noch nie gesehn.
Ein Kuss, der Reaktionen in Gange setzt, Kräfte, die Kerne spalten.
Ein Beben, das durch alle Adern pulsiert
Ein Zittern, das den Moment gefriert
Ein Herzschlag, der alles in Bewegung bringt
Ein Gefühl, das in all eure Herzen dringt,
wenn die Liebe den Hass zu Boden zwingt.

Ist die Spannung verklungen, ist der Nebel verraucht
kehrt die Stille zurück, brechen die Wolken auf,
und der Tag wird in goldenes Licht getaucht.
Uns wird silbernes Mondlicht die Nacht versüßen
während sich Sternschnuppen über den Himmel ergießen.
Nur du und ich und diese Licht,
und die Welt, die endlich von Frieden spricht.

Bis die Zeit uns erneut auseinandertreibt
und uns nur noch die süße Erinnerung bleibt.
Dann hält die Welt erneut den Atem an,
wenn sich Feuer und Sturm ihre Bahnen brechen,
und an dem, der uns trennt, denkt immer daran,
werden wir uns ohne Gnade rächen.
Es werden Berge versetzt, es wird Feuer regnen,
solange, bis wir uns wieder begegnen.

Samstag, 17. Juni 2017

#42 Regeneration.

Ich bin allein. Ich war ziemlich viel allein in den letzten 1 1/2 Wochen. Und ich merke deutlich, wie wichtig das gerade ist. Ich habe den Pause-Knopf gedrückt.
Letztes Wochenende habe ich schon sehr viel Zeit nur mit mir und für mich verbracht. Aber offensichtlich hat das nicht gereicht. Montag musste ich von der Arbeit früher nach Hause gehen, weil ich einfach völlig fertig war und die Augen kaum noch offen halten konnte. Dienstagmorgen bekam ich Schweißausbrüche und schlief fast im Türrahmen ein, als ich dann wieder im Büro war, weshalb ich nur ein, zwei Dinge erledigte und dann wieder nach Hause ging. Und da blieb ich den Rest der Woche.

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt so unglaublich erschöpft gewesen bin. Kleinigkeiten sind unglaublich anstrengend, Menschen sind teilweise schwer zu ertragen. Aber wenn ich jetzt mal zurückschaue, wird mir auch klar, dass ich die letzten 3 Monate quasi durchgängig auf Volldampf gelaufen bin. Fast jeden Tag irgendwas im Kalender, immer unterwegs, immer on the road. Und dazu immens wenig Schlaf, meist 3-5 Stunden pro Nacht. Nicht vorsätzlich, sondern weil mein Körper einfach so lief. Egal wie früh ich schlafen ging, ich wachte eben auch immer wieder viel zu früh auf. Selbst in der letzten Woche und trotz der immensen Erschöpfung fiel es mir super schwer, einfach mal auszuschlafen.

Es kam so unglaublich viel zusammen in der letzten Zeit, gerade emotional gesehen habe ich Meilen zurückgelegt. Gleichzeitig habe ich mich in den Trubel gestürzt, um mit meinen geradezu beängstigend großen Schritten nicht allein sein zu müssen. Für den Moment war das alles gut so, offenbar hatte ich die Kraft dazu ja irgendwie. Aber manchmal merkt man eben nicht, dass man gerade schon hart an den eigenen Reserven kratzt - bis sich dann irgendwann der eigene Körper vehement bemerkbar macht und das Ende der Kräfte ansagt.
Hätte ich das kommen sehen können? Vielleicht. Aber viel ändern können hätte ich vermutlich nicht. Zuletzt lief ich auch eher noch automatisch, einfach weil da so viel los war in mir. Das hat sich letzte Woche (vgl. letzter und vorletzter Blogpost) dann in jeglicher Hinsicht entladen.
Ich komme mir dabei irgendwie ein bisschen vor, wie ein verrückter Wissenschaftler, der eine Idee hat, Tage und Nächte im Labor verbringt, nur das eine Ziel vor Augen, immer weiter und weiter - und dann: Heureka! Um anschließend erschöpft zusammenzubrechen.
Rückblickend scheint das irgendwie mein Rhythmus zu sein und immer wieder ähnlich abzulaufen. Doch die Abstände werden länger, die Wellen flacher und die Emotionen weniger bedrohlich. Die Arbeit, die ich in den letzten Jahren hart investiert habe in mein Verständnis von mir selbst, trägt so langsam Früchte. Natürlich ist da noch Luft nach oben, aber es wäre auch maßlos überzogen, von mir selbst zu erwarten, dass jetzt alles perfekt läuft. Also betrachte ich die Fortschritte einfach als solche und fühle mich daher tatsächlich beruhigt.

Ich habe ein bisschen Angst davor, am Montag wieder in den Alltag zurückzukehren, weil ich irgendwie befürchte, dass ich den Ansprüchen nicht genügen kann - meinen eigenen und denen meiner Umwelt. Auch wenn meine Kollegen und Freunde zum größten Teil wissen wie ich ticke, kostet es mich doch immer wieder Überwindung, offen zu kommunizieren, dass ich gerade nicht so leistungsfähig bin wie ich es gerne wäre.
Bis dahin werde ich einfach versuchen, mir selbst noch möglichst viel Gutes zu tun. Das hat in den letzten Tagen schon verblüffend gut geklappt. Ich habe sehr viel schöne Musik gehört, momentan stehe ich total auf instrumental (z.B. sowas) und auf episch (oder sowas). Ich habe Hörbücher gehört, ich habe sogar gelesen (was ich in den letzten Jahren nur sehr selten konnte, weil lesen immer als erstes wegfällt, wenn emotional viel los ist bei mir). Ich habe Eistee selbst gemacht und bin tatsächlich ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis. Ich war einkaufen und spazieren, immer mit Musik in den Ohren. Und ich habe es wirklich genossen, einfach nur mal mit mir und für mich zu sein. Und nicht mehr wegzulaufen vor allem, was da in mir vorgeht. Da ist es wieder, dieses "Wachstum". Und egal wie schnell es manchmal geht und wie groß und beängstigend es scheint - ich kriegs hin. Das ist so schön!