Dienstag, 17. Oktober 2017

#52 Vom Stehenbleiben.

Heute ist so ein Tag, an dem die Welt um mich herum rast. Alles ist in Bewegung, alles geht so verflucht schnell - und ich bewege mich in Zeitlupe. Wenn überhaupt. Es ist so ein Tag, an dem ich eigentlich alles in der Hand habe und zugleich fühlt es sich so an, als würde mir alles entgleiten. Ich verspüre den ganz großen Drang danach, weiterzukommen. Und irgendwas zu tun, was so wirklich ganz und gar ICH bin. Und ich habe keine Ahnung, was genau ich da eigentlich will.
Wie so oft ist es nur ein Gefühl, nichts was ich genauer einordnen kann. Aber es ist verdammt stark. Es fällt mir schon schwer, hier einfach nur zu sitzen und zu schreiben. Stattdessen will ich mich bewegen. Ich will irgendwas Großes tun. Irgendwas, das die Barrieren in meinem Kopf sprengt. Ich will mich irgendwo auf ein Feld stellen und schreien. Nackt in einen See springen. Irgendwas aus dieser Kategorie, die gleichzeitig verrückt ist und doch so gut. Ich wünsche mir einen dieser Momente, an die man sich ewig erinnert. Zumindest an das Gefühl.

Ich ahne, dass ich mich gerade mal wieder einfach selbst vergesse. Ich laufe zwar wie eine Maschine und das auf Vollgas, ich gehe Dinge an. Ich mache das, was gemacht werden muss. Aber genau das ist wohl auch der Punkt. Vielleicht mache ich zu oft das, was eben anfällt - und zu selten das, was ich wirklich will. Dann kommt dieses Gefühl von Enge auf, wenn gleichzeitig alles zu viel und dennoch zu wenig ist. So viel zu tun, so wenig ICH. Da stimmt was nicht.
Was dabei wirklich schwierig ist, ist wohl die Tatsache, dass ich mich so leicht von außen lenken lasse. Es kommt Input, ich nehme ihn an. Meistens verwandle ich ihn zu irgendwas Gutem - ich bin so unglaublich gut darin, Dinge für andere zu tun. Was dabei fehlt, ist mein eigener Input an mich. Und der kommt dann hoch in Momenten wie jetzt, an einem Dienstagabend, nach einem Tag voller Anspannung. Das Bedürfnis auszubrechen ist gerade so groß, dass ich mich am liebsten aus meiner eigenen Haut schälen würde. Aber was macht man damit, an einem Dienstagabend? Irgendwo mitten im Alltag, in einer festen Form, in der einfach nicht viel Platz für Verrücktheiten ist?

Heute Abend kann ich diese Frage wohl nicht besser als mit einem Glas Whisky, Sinhead O'Connor und dem Schwelgen in Erinnerungen beantworten. Aber ich kann mir zumindest vornehmen, all das nicht morgen gleich wieder vergessen zu haben. Und vielleicht kann ich mir einfach Dinge vornehmen, die sich so richtig nach mir anfühlen. Es ist mal wieder Zeit dafür. Ganz dringend sogar.

Mittwoch, 27. September 2017

#51 Fässer ohne Boden.

Und mal wieder ist ein Knoten geplatzt. Es hat knapp zwei Wochen gedauert, ungefähr so lange war ich jetzt mit einem merkwürdigen Druck auf der Brust unterwegs und hatte keine Ahnung, was genau das schon wieder ist. Erst dachte ich, ich bin einfach am kränkeln. In den letzten Tagen wurde mir aber immer klarer, dass ich wieder an irgendwas kaue. Und seit heute früh ist da plötzlich wieder Luft. Puh.

Es geht gleich um zwei Dinge.

Ersteres ist mir gut bekannt und geht ganz häufig mit neuen Erkenntnissen einher: Ich hab mich schon wieder viel zu sehr selbst vergessen in der letzten Zeit. So langsam werden mir auch die Indikatoren für diesen Umstand wieder so klar: Ich esse wieder zu viel. Ich fühle mich unwohl in meiner Haut und in meinem Körper. Und mein Terminkalender war voll bis zum Erbrechen.
Alles daran weist so eindeutig darauf hin, dass ich vor mir selbst davonlaufe. Zeit zum rumdrehen.

Zweiteres ist eigentlich auch nicht neu, aber manche Erkenntnisse muss man ja hin und wieder auffrischen wie es scheint.
Es geht um die Feststellung, dass meine Ängste Fässer ohne Boden sind.
Wie genau stellt sich das dar und wie kam ich drauf? Ich bin mal wieder auf einen Pflaster-Gedanken reingefallen. Wer mit Ängsten, insbesondere in Sachen Verlust, Verlassenheit etc. zu kämpfen hat, wird diese Gedanken vielleicht kennen. "Wenn wir erst ein Paar/ zusammengezogen/ verheiratet sind, wenn wir erst gemeinsam ein Haus gekauft haben, wenn wir erst mal ein Kind bekommen, dann... wird das alles leichter." Na, schon mal erlebt? Ich kenne das von mir, habe das aber auch schon oft bei anderen Menschen erlebt. Bewusst oder unbewusst, man sucht sich das nächste Etappenziel und redet sich ein, dass die Angst sicher verschwindet, wenn man es erreicht hat, weil das alles ja noch sicherer macht. Und es ist jedes Mal doch wieder ein Trugschluss. Natürlich wächst Vertrauen mit der Zeit, natürlich kann man darauf auch immer mehr bauen. Aber wenn die irrationale Angst sich erst mal breit gemacht hat im eigenen Kopf und der eigenen Brust, dann verschwindet sie eben nicht mit dem nächsten Step. Sie verändert sich. Passt sich an. Vielleicht nimmt sie auch ein wenig ab, aber sie ist noch da. Und so ist das eben mit dem Pflaster - es schützt für den Moment, aber es trägt nichts zur Heilung bei. Deshalb ist es nicht sinnvoll, sich eben diese davon zu erhoffen.
Ich will nicht sagen, dass ich dachte, dass plötzlich alles super ist, wenn wir erst zusammen wohnen. Aber vielleicht war ich doch ein bisschen naiv und habe gehofft. Und wenn dann der erste Moment kommt, in dem man feststellt, dass "die Scheiße ja immer noch da ist", dann fühlt sich das plötzlich nicht nur wie Enttäuschung an, sondern zugleich auch wie Versagen. Das wurde mir heute morgen sehr deutlich bewusst. Da kommen dann Sätze auf wie "Schau dir an was du alles hast, du müsstest doch so glücklich sein. Und trotzdem hast du wieder Schiss, trotzdem drehst du dich wieder im Kreis. Trotzdem erstarrst du wieder wegen Kleinkram. Was kannst du eigentlich?"
Hartes Selbst-Bashing ist ja meine Spezialität, gerade in solchen Situationen. Und auch heute war ich wieder vollkommen unangemessen hart zu mir selbst. Aber wenigstens hat es den Knoten zum platzen gebracht, ich habe es erkannt und genutzt. Ich weiß, dass meine Ängste sich nicht einfach verziehen werden. Und leider bin ich momentan noch in einer Art Warteschleife, bis ich dann irgendwann einen festen Therapieplatz habe und solche Situationen dann vielleicht zeitnaher und gezielter bearbeiten kann. Aber mir ist klar, dass ich das will. Und bis dahin tue ich eben was ich kann um mir selbst möglichst zu helfen.

Für heute beinhaltet das (leider), eine Verabredung abzusagen, auf die ich mich eigentlich gefreut hatte und einfach ein paar Dinge für mich zu tun, die ich zu lange habe schleifen lassen. Es ist ein Anfang... Oder vielmehr noch ein weiterer Schritt. Vielleicht eine weitere Stufe auf einer langen Treppe. Aber mir wird beim Schreiben nun mal wieder klar, dass man Fässer ohne Boden nicht bodenlos lassen muss. Und dass ich eigentlich schon längst angefangen habe, einen neuen und festen Boden zu errichten. Es dauert eben, gerade wenn man es gut machen will, man sich als Anfänger hin und wieder Splitter im Finger zuzieht oder es einfach Lieferschwierigkeiten beim Material gibt.
Zumindest ein Provisorium habe ich schon mal errichtet. Dass es hin und wieder wackelt und ab und an doch nochmal wie eine Falltür nach unten kippt - das ist eben so. Für diese Momente gibt es ja noch den Fallschirm. In diesem Sinne mal wieder Danke an meine Herzensmenschen. Ihr seid gemeint. ;)

Sonntag, 17. September 2017

#50 Auch schöne Wellen sind Wellen.

Um mit einer echten Phrase zu beginnen: Man lernt halt doch einfach nie aus. Und die heutige Erkenntnis war dann am Ende doch eine der beruhigenden Art. Aber da muss man ja erst mal hinkommen.

Es gibt mal wieder eine Neuerung in meinem Leben. Eine, die ich wirklich von ganzem Herzen begrüße. Und gleichzeitig ist sie eben eine Neuerung. Eine Veränderung. Wer mich schon ein Weilchen kennt oder schon ein paar Einträge von mir gelesen hat, wird ahnen, wie die Story weitergeht. Ich erzähle sie trotzdem.

Der Mann meines Herzens hat mich also gefragt, was ich davon halte, wenn er bei mir einziehen würde. Nachdem ich einen Moment lang einfach nur große Augen gemacht habe, kam die Antwort doch zügig und ohne Zweifel: Ich fände das sehr schön. Und er auch. Also zieht er bei mir ein. Wow.
Ich freue mich tierisch darüber, denn nach wie vor ist es so schön und so unkompliziert, mit ihm einfach ... zu sein. Ich feiere unser Miteinander jeden Tag, es fühlt sich einfach so gut an. Shiny. Und davon weiche ich auch nicht ab.

Zugleich greifen in solchen Situationen aber nach wie vor meine uralten Mechanismen. Ich bin eben doch viel leichter aus der Ruhe zu bringen als mir lieb ist. Denn jetzt sind eben Dinge zu tun. Platz schaffen. Raum schaffen. Aus meiner "Single-Wohnung" einen Lebensraum machen, in dem zwei sich wohl - und zu Hause - fühlen. Ich weiß, das klingt vielleicht ein wenig groß und überzogen - ich komme eben nicht raus aus meiner pathetischen Haut. Und es ist mir eben wichtig. Bisher war das hier einfach nur "meins" und jeder der kam, war in irgendeiner Form Gast - er also auch. Zusammen zu leben ist aber mehr als "einer ist beim anderen Dauergast". Also wollen Dinge organisiert und getan werden. Nur ist der Terminkalender im Moment so gut gefüllt, ich muss schauen, wo ich überhaupt irgendwas unterkriege. Und das widerspricht meinem unglaublichen Tatendrang. Am liebsten möchte ich gleich alles auf einmal erledigen - und weiß dabei dann oft gar nicht, wo ich am besten anfangen soll. Während mich also auf der einen Seite allein schon die Tatsache, dass sich gerade wieder Dinge verändern, innerlich in Schwingung versetzt, kommt dazu noch oben drauf, dass in meinem Kopf eine To Do Liste mit X Punkten wild durcheinander wirbelt. Und dann gibts eben mal wieder einen Tag wie heute, an dem ich stetig merke, dass mich da unterschwellig was beschäftigt - so lange bis ich irgendwann rausfinde, was genau da schon wieder los ist.

Diesmal war allerdings etwas komplett anders. Ich habe zwar die Anspannung wahrgenommen, aber sie hat mich nicht wirklich beunruhigt. Und dabei wäre heute ein perfekter Tag für innere Panik gewesen, viel Luft für Gedanken und Sorgen, dazu meine Hormone, die mal wieder Dinge tun. Aber Panik ist mir gerade fremd. Ich habe also gemerkt, dass da was arbeitet und habe es einfach da sein lassen. Mir war eh klar, dass es sich schon zu Wort melden wird, wenn es eben an der Zeit ist. Und so wars dann auch. Vorhin lag ich da, neben diesem wundervollen Menschen, schloss die Augen, nahm einfach nur den Moment wahr und stellte dann plötzlich lächelnd(!) fest, was mich diesmal wieder umtreibt. Das einfach annehmen zu können, es zu akzeptieren und irgendwie auch liebevoll zu betrachten ... mir selbst sagen zu können "Ach guck mal Süße, was du wieder an Kram im Kopf hast!" und dann plötzlich die Ruhe zu bemerken, die sich einstellt, wenn sich ein vollständiges und sinnhaftes Bild ergibt - ein unglaublich schönes Gefühl. Fast so schön wie die (Vor-)Freude auf alles, was da jetzt kommt. Und die ist wirklich immens. Also gebe ich ihr jetzt, da mein Gedankenwirbel sich wieder legt, ganz viel Raum, lege mich wieder an seine Seite und genieße die Schönheit des Moments.

Montag, 11. September 2017

#49 Vom Glück.

Tatsächlich schreibe ich wohl am besten, wenn ich von Emotionen getrieben bin. Sobald ein gewisser Pegel erreicht ist, kommt irgendwann der Moment, in dem es mich in den Fingern juckt und ich gar nicht schnell genug zur Tastatur gelangen kann, um dem Wirrwarr in meinem Kopf Ausdruck in Worten zu verleihen. Und sehr, sehr oft sind negative Emotionen der Grundstock und die erlernte positive Erkenntnis daraus dieser letzte Tropfen, der mich zum Schreiben bringt. Heute ist es anders. Und das liegt daran, dass ich gerade einfach nur glücklich bin. Es gibt keinen bestimmten einzelnen Umstand, es ist die Summe aller Teile. Ich bin glücklich und ich will es teilen.

Da war so viel los in meinem Leben in den letzten Monaten, so viel hat sich verändert und bewegt. Viele Unsicherheiten und echte Stürme haben mich hin und wieder ganz schön über den Haufen geworfen. Und am Ende habe ich doch immer gelächelt. So wie ich das jetzt tue.

Ich habe Inventur gemacht, mein Leben auf den Kopf gestellt, meine Lebensbereiche in Worte gefasst und begonnen, jeden einzelnen von ihnen zu erobern. Und ich bin mehr als zufrieden mit dem, was ich bisher erreicht habe. Ich habe Ideen dafür, wo ich beruflich in meinem Leben noch hin will. Ich habe den Weg in eine Therapie angekurbelt, weil ich endlich weiß, an welchem Thema ich hauptsächlich arbeiten möchte. Ich arbeite endlich wieder am Kontakt zu meiner Familie. Ich habe Pläne dafür, meine Wohnung umzugestalten, weil ich weiß, dass es noch schöner werden kann, hier zu leben. Ich liebe und pflege meine Freundschaften und Hobbys. Ich lerne neue Menschen kennen, mache neue Erfahrungen. Und ich befinde mich in einer wundervollen Beziehung mit einem Mann, der mich jeden Tag wieder begeistert und fasziniert (Weil ich es nicht oft genug sagen kann, sage ich es an dieser Stelle nochmal: Ich liebe dich! Danke, dass du mich immer darin unterstützt, noch mehr Ich zu sein!).

Ich genieße mein Leben. Und ich habe so Bock darauf, auf all das. Auch darauf, das immer und immer wieder zu sagen und zu fühlen. Weil es grandios ist. Und weil ich mir sicher bin: So glücklich wie jetzt bin ich noch nie gewesen. So bewusst habe ich noch nie gelebt.

Ich mache mir nichts vor, es wird immer wieder gute und schlechte Tage geben. Und es werden auch wieder Stürme kommen. Aber mit jedem, den ich hinter mir lasse, weiß ich ein Stück mehr, dass am Ende irgendwo ein Lächeln steht. Und ich wünsche euch allen diese Erkenntnis. So macht es nämlich noch viel mehr Spaß. <3

(Sidenote: Dieser Eintrag ist ein Stück weit zwei sehr lieben Mädels gewidmet. Die eine sagte mir mal, dass sie das Gefühl hat, andere zu langweilen, seit sie einfach nur noch Gutes und kein Drama mehr berichten kann. Die andere ließ mich gerade erst wissen, wie schön sie es findet, einfach nur von meinem Glück zu lesen. Und ich finde durchaus, dass wir alle unser Glück noch viel mehr teilen können. Ich liebe es, schöne Dinge zu hören und freue mich so gerne für andere, wenn sie ihre Ziele erreichen oder schöne Erfahrungen machen. Lasst von euch hören. Glück zu teilen vervielfältigt es. Zumindest sehe ich das so.)

Donnerstag, 17. August 2017

#48 When Disney got me.

Walt Disney. Well, nearly everytime when a discussion about the Disney movies comes up, it ends kinda like "Yep, that's why our generation is so fucked up. All the girls think to be a princess and that all the men have to be that prince on that white horse. And then you have to be that 'happily ever after' thing, which doesn't exist at all." And it's kinda true. I don't know how long I thought that everything has to be perfect and if it's not, you might have to find another man because you found the "wrong one". It wasn't only Disney who taught me that, but these movies had a lot of impact. So it's quite interesting to watch them again now - after years of new experiences, from a new point of view. And it's even more interesting, that Disney still gets me - even if not in the way, it might have been intended to be.

I've been watching "The Beauty and the Beast" today. Some of you might remember the legendary dancing scene - tales as old as time. So after that beautiful dance, Belle and the Beast step out on the balcony. And there is this dialogue, that totally got me.

Beast: "It's foolish, I suppose ... for a creature like me to hope ... that one day he might earn your affection."
Belle: "I don't know."
Beast: "Really? You think you could be happy here?"
Belle: "Can anybody be happy if they aren't free?"

A few months ago I sat in a cinema seat, next to a man I loved. And while listening to these words I started crying. I loved him and I wanted to be happy with him, but I knew that in this relationship I wasn't free. I couldn't be me. And if I would have done things "my way", I would have hurt him badly. Too hard for this relationship to survive.
Realizing that sometimes love is not enough sucks. But it's always a chance, too. Because I found out what I really need to be a happy woman. I evolved. And this brings me back to now.

I wrote about my open relationship and about my jealousy-problems. I mentioned that my partner wants - and needs - his freedom as well. And sometimes he seems to be merciless by making decisions and steps, which are hard for me. But I know. I know how it feels to NEED freedom. I know that feeling, like laying in chains, like trying to breathe but you can't. When all you want is to break free. To be who you want to be.

So be that person, Darling. Live. And love. And be free. And so do I.


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Ich übersetze das mal frei für alle, deren Englisch nicht so dolle ist ;)

Walt Disney. Ungefähr jedes Mal, wenn über Disneyfilme diskutiert wird, endet die Diskussion bei sowas wie "Yep, und das ist der Grund, warum unsere Generation so abgefucked ist. Die Mädels denken alle, sie seien Prinzessinnen und die Männer müssten dann entsprechend der Prinz auf dem weißen Pferd sein. Und dann muss man unbedingt dieses 'Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende'-Ding haben, das es gar nicht gibt." Und irgendwie stimmt das auch. Ich weiß gar nicht wie lange ich dachte, dass alles perfekt sein muss und dass es, falls es das nicht ist, einfach am falschen Mann liegt und man nur "den Richtigen" finden muss. Das habe ich bestimmt nicht nur von Disney gelernt, aber die Filme hatten schon einen gewissen Einfluss. Und daher ist es schon spannend, die Filme heute nochmal zu sehen - nach Jahren voller neuer Erfahrungen und von einem neuen Standpunkt aus. Und es ist eigentlich noch spannender, dass Disney mich auch heute noch berührt - wenn vielleicht auch nicht auf die ursprünglich bezweckte Art und Weise.

Ich habe mir heute "Die Schöne und das Biest" angesehen. Manche von euch mögen sich vielleicht noch an die legendäre Tanzszene erinnern - Märchen schreibt die Zeit. Nach diesem wunderschönen Tanz treten Belle und das Biest auf den Balkon hinaus. Und dort entsteht dieser Dialog, der mich absolut berührt hat.


Biest: "Es ist töricht, nehme ich an, wenn eine Kreatur wie ich hofft, sie könnte eines Tages deine Zuneigung gewinnen."
Belle: "Ich weiß nicht."
Biest: "Wirklich? Könntest du hier glücklich werden?"
Belle: "Kann man glücklich sein, wenn man nicht frei ist?"


Vor ein paar Monaten saß ich in einem Kinositz neben einem Mann, den ich liebte. Und während ich diesen Worten lauschte, begann ich zu weinen. Ich liebte ihn und ich wollte glücklich mit ihm sein, aber ich wusste, dass ich in dieser Beziehung nicht frei sein kann. Ich konnte nicht ich sein. Und wenn ich meinen Weg einfach gegangen wäre, dann hätte ich ihn verletzt. Zu sehr, als dass diese Beziehung das überlebt hätte.
Festzustellen, dass Liebe nicht ausreicht, suckt. Aber es ist auch immer eine Chance. Denn ich fand heraus was ich wirklich brauche, um eine glückliche Frau zu sein. Ich habe mich entwickelt. Und das bringt mich zurück zu heute.

Ich schrieb bereits über meine offene Beziehung und über meine Probleme mit der Eifersucht. Ich habe auch erwähnt, dass mein Partner ebenso seine Freiheit möchte - und braucht. Und manchmal mag er gnadenlos wirken, wenn er Entscheidungen trifft und Schritte macht, die hart für mich sind. Aber ich weiß es. Ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man seine Freiheit BRAUCHT. Ich kenne das Gefühl, als würde man in Ketten liegen, als würde man versuchen zu atmen, aber keine Luft kriegen. Wenn man nur noch ausbrechen will. Derjenige sein, der man sein will.

Also sei dieser Mensch, Darling. Lebe. Und liebe. Und sei frei. Wie ich.

Mittwoch, 26. Juli 2017

#47 Die Antwort.

Fast drei Jahre ist es her, dass ich zwei meiner Einträge dem Thema "Liebe" und der Frage danach, ob es sie gibt und was sie ausmacht gewidmet habe. Ich habe stark gezweifelt damals, bin wirklich hart ins Gericht gegangen mit diesem Gefühl und Beziehungen/Partnerschaften im Allgemeinen.
Es ist viel passiert seitdem. Ich habe alle möglichen Gefühle und Emotionen durchlebt und vor allem habe ich mich auch in ganz großem Rahmen der Frage gewidmet, was ich eigentlich für mich will und brauche, wie meine Basis aussieht, was essentiell ist. Fertig bin ich damit nicht, aber ich habe sehr nützliche Antworten gefunden.

Ich weiß jetzt, dass alles bei mir selbst anfängt. Wie will ich einem anderen Menschen irgendwas geben, wenn ich selbst nichts habe? Wenn ich nichts für mich übrig habe? Ich hatte das damals schon vermutet, dass dies die Grundlage ist, aber mittlerweile habe ich es erfahren, erlebt. Wenn ich nicht bei mir bin, wenn ich mich von mir entferne, dann hat alles andere keine Chance. Also geht es immer darum, sich selbst Wertschätzung, Respekt, Mitgefühl und auch Liebe entgegen zu bringen. Was wirklich nicht immer leicht ist. Ich habe immer noch genügend Tage, an denen ich unsagbar hart mit mir selbst ins Gericht gehe. Das sind dann auch die Tage, an denen mein Partner wenig von mir bekommt, sondern meist draufgeben oder zumindest aushalten muss.

Und dann gibt es noch die anderen Tage. Tage wie heute. Die auf Tage wie gestern folgen.
Ich habe hart gekämpft mit mir gestern. Ich war fies, brutal, gnadenlos. Ich habe wieder gemauert, mich ein- und alle anderen ausgesperrt und alles abgeblockt, was auch nur irgendeine Gefühlsregung hätte hervorbringen können. Bis ich mich entschied, meinem Problem, meinem Schmerz, meiner Angst ins Auge zu blicken. Ich habe Fragen gestellt und gespürt, dass die Antworten gleichzeitig gut und weh taten. Und dann habe ich damit gearbeitet.
Gestern Abend habe ich zum ersten Mal seit Wochen gnadenlos ehrlich einem sehr sehr lieben Menschen all das ausgebreitet was mich innerlich manchmal echt zu zerreißen droht, bis ins Detail. Ich habe Scham- und Schuldgefühle überwunden und einfach alles rausgelassen, viele viele Tränen geweint und mich danach gleichzeitig zutiefst verletzlich und dennoch sicher gefühlt.
Heute Morgen überkam mich der Sturm noch ein letztes Mal, dann kehrte Ruhe ein. Und sie kam in dem Moment, in dem ich feststellte, dass es meinem Partner, der in den letzten Tagen wirklich einige Breitseiten von mir mitnehmen musste, besser ging. Ich las es zwischen seinen Zeilen. Ich konnte es fühlen. Und noch während ich dachte, dass in mir eigentlich gerade jetzt die Hölle los sein müsste, weil da immer noch so vieles offen ist und weil ich immer noch so unsicher bin, wurde mir klar, dass diese Ruhe, die mich gerade erfüllt, besonders ist. Dass das, was hier gerade passiert, das ist, was andere Menschen "Liebe" nennen.

Wenn man den Hintergrund meines Kampfes nicht kennt, klingt das vermutlich etwas verwirrend. Also will ich versuchen, meine für mich neu gewonnene Definition von Liebe in klare Worte zu fassen.

Liebe ist mehr als Verlangen und kurzzeitige Verbindung. Liebe ist das, was dich auch Stunden, Tage oder Wochen später noch erfüllt.
Liebe ist es dann, wenn du nicht forderst und verlangst, sondern wenn du sanft bittest.
Liebe ist es, wenn du auch mit einem Nein leben kannst, weil du weißt, dass der Andere für sich Prioritäten setzen muss.
Liebe ist es, wenn du dich erleichtert fühlst weil der Andere erleichtert ist.
Liebe ist es, wenn du für euch kämpfst ohne dich dabei selbst aufzugeben.
Liebe ist es, wenn du nicht musst, sondern willst. Wenn du nicht fliehst, sondern dich stellst. Wenn du spürst, dass aufgeben zwar leichter, aber einfach nicht sinnvoll wäre.
Liebe ist es dann, wenn dich sowohl das Lachen als auch die Tränen des anderen in gleichem Maße berühren. Wenn du den Menschen dir gegenüber ansiehst und weißt: Ich würde Berge versetzen für dich. Ich würde mit dir durchs Feuer gehen. Ich will die Welt schön machen für dich. Und ich würde mich bei alldem nicht selbst verlieren, sondern finden.
Es geht nicht um Besitzansprüche, nicht darum, den Anderen nach eigenen Wünschen zu formen. Es geht darum, fasziniert zu sein davon, wie der Andere ist. Darum, neugierig zu sein auf alle Facetten, die den Anderen ausmachen. Darum, Erfolge gemeinsam zu feiern und Verluste gemeinsam zu betrauern. Es geht um Verbundenheit, die nicht durch Ketten entsteht.

All das habe ich gefühlt, heute morgen in diesem Moment, in dem die Ruhe einkehrte. All das fühle ich seit Wochen, doch ich habe eine Weile gebraucht, um mir dessen so gewahr zu werden. Und jetzt, da ich es bin, sind meine Ängste und Sorgen zwar nicht weg, doch ich muss lächeln während ich sie betrachte, weil ich weiß, dass ich stärker bin und dass meine Ziele größer sind. Und dass ich auch den nächsten Sturm überstehe.

Dienstag, 25. Juli 2017

#46 Open up.

Ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit von der Monogamie verabschiedet. Dachte ich zumindest. Doch wie mir jetzt klar ist, ist dieser Abschied nicht mit einem kurzen Winken und einem "Danke für die schöne Zeit!" getan.

Dieser Entschluss ändert vieles für mich. Das Gefühl absoluter Freiheit ist der erste Nebeneffekt. Ich umarme dieses Gefühl mit jeder Faser meines Körpers, mit allem was ich bin. Wie ich ja zuletzt schon öfter schrieb, ich war noch nie so sehr ich. Und ich würde das nie wieder missen wollen.

Dann gibt's da noch die andere Seite. Denn offen zu leben betrifft ja nicht nur mich. Genauso gestehe ich auch meinem Partner alle Möglichkeiten zu. Genauso will ich, dass auch er diese Möglichkeit hat, sich so frei zu fühlen wie ich es jetzt endlich kann. Und das geht - offensichtlich - nicht, ohne ein Stück harter Arbeit an mir.
Dass es nicht mal eben easy wird, habe ich mir schon gedacht. Ich bin ein Mensch mit massiven Baustellen, die nicht eben erst entstanden sind. Da sind viele alte Glaubenssätze und Muster, die den Weg ziemlich steinig machen.

Aus der Monogamie brach ich aus mit dem Gefühl, jetzt, in dieser neu gewonnenen Freiheit, alles schaffen zu können. Ich habe tatsächlich geglaubt, dass es mich weniger berührt als ich dachte, wenn der Mann an meiner Seite sich andere Optionen sucht.
Was ich dabei nicht bedacht hatte - große Gefühle und intensive Verbindungen machen nicht alles immer leichter.
Verlustängste, das Gefühl fehlender Kontrolle, die Angst davor vergessen zu werden - all das gewinnt mehr an Macht, wenn man gleichzeitig das Gefühl bekommt, mehr zu verlieren zu haben.
Jetzt bin ich also hier, in dieser großartigen Beziehung mit diesem großartigen Mann. Ich habe noch nichts Vergleichbares erlebt. Ich bin wirklich und ehrlich glücklich.
Und wie das so läuft mit mir und meinen Ängsten - sehr zeitnah stellt sich die Sorge ein, das wieder zu verlieren. Und damit kommt logischerweise auch die Frage auf, wie ich das verhindern kann.
Die Antwort ist simpel und diffizil zugleich. Leben. Sein. Sich den Dingen stellen. Kommunizieren. Offen sein. Den Drang nach Kontrolle überwinden. Vertrauen fassen. Vertrauen haben. Lieben. Vor allem lieben. Mich. Ihn. Uns.

Die Gedanken und Ängste in diesem Zusammenhang haben mich die letzten Wochen Mal wieder getrieben. Ich war nicht wirklich in der Lage, ihm einfach zu sagen was mich umtreibt, weil ich mir und meinen Ansprüchen gerecht werden und ihn gleichzeitig nicht enttäuschen wollte. Stattdessen schwieg ich - oder erzählte nur Fetzen vom großen Ganzen. Und enttäuschte uns damit gleich beide.
Sie ist so tückisch, die Angst. Wie oft hat sie mich schon weggetrieben von dem, worum es wirklich geht? Und dennoch schafft sie es immer wieder.
Doch ich werde besser. Sie treibt mich nicht mehr so weit, ich bin wehrhaft und immer noch stur. So verdammt stur. Und deswegen lasse ich mich am Ende nicht unterkriegen. Weil ich dieses Leben will. Weil ich ich sein will. Weil ich ihn genau so an meiner Seite wissen möchte, wie er ist. Und wenn es dafür Steine aus dem Weg zu räumen gilt, dann tue ich das. Das hier ist nämlich mein Leben. Und auch wenn ich das viel zu oft vergesse: ich entscheide hier. Heute und morgen. Und übermorgen immer noch. Fernab aller Ängste weiß ich nämlich, dass ich mich immer wieder so entscheiden würde. Für die Freiheit.